Bücherverbrennung 1933 Eine geschlossene Gesellschaft

verfasst von Tom Moak, 17.04.2012, 22:38

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Erschienen am 12.05.2010 00:00

Bücherverbrennung 1933

Eine geschlossene Gesellschaft

Die Suhler Linken blieben beim Erinnern fast unter sich.

Suhl - Der 10. Mai 1933 ist ein besonders beschämendes
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Organisator der Veranstaltung Karl-Heinz Walther begrüßte das Publikum.
Foto: frankphoto.de


Datum in der deutschen Geschichte. Die Bücherverbrennung der Nazis
auf dem Opernplatz in Berlin, die alles in die Flammen warfen, was
humanistischen, jüdischen oder marxistischen Gedankenguts war, nahm
die kommende zwölfjährige Barbarei vorweg.

Es sollte auch nicht bei diesem einen Akt in Berlin bleiben.

Im ganzen Land brannten 1933 Scheiterhaufen von Büchern.

Schließlich gehörten aber Menschen dazu, die das fertig brachten, gröhlend
und johlend zusahen, wie Geist und Humanismus vernichtet wurden.

Und das ausgerechnet in jenem Land von Goethe und
Schiller, wo man sich immer als Kulturnation verstand.

Alljährlich erinnert man sich in Deutschland dieses schwarzen Tages.

Suhl macht da keine Ausnahme. Und das ist auch gut so.

Hier liest man wie stets aus Werken jener verfemten Autoren - zumeist die
bekannten Namen - und alles läuft wie ein Ritual ab. Seit Jahr und Tag.

Am Montagabend hatte das städtische Bündnis für Demokratie und Toleranz,
gegen Rechtsextremismus zu dieser offenen Veranstaltung in die Bücherei
eingeladen.

Jeder der wollte, hieß es im Vorfeld in einer Pressemitteilung,
könne sich beteiligen und etwas vortragen.

Doch darauf hatten die wenigsten Suhler Lust.

Denn nur ein kleines, überschaubares Grüppchen füllte die Stühle.

Die Vorleser, sie blieben fast unter sich.

Hendrik Neukirchner (Aktiv für Suhl), Kulturausschussvorsitzender und
einer der Beteiligten, kritisierte das als einziger in der Runde.

Die setzte sich allerdings - aus welchen Gründen auch immer - vornehmlich
aus Mitgliedern des Stadtverbandes Die Linke, deren Sympathisanten und
aus Stadträten der Fraktion zusammen.

Organisiert hatte die Lesung Karl-Heinz Walther, einer der Vertreter
der Linken in diesem Bündnis und dort für die Öffentlichkeitsarbeit
mit verantwortlich.

Der begrüßte das Publikum mit den Worten, es zeige sich heute wieder,
dass es die Suhler Antifaschisten seien, die bereit sind, aus diesen
Büchern zu lesen.

Dann trugen die so Angesprochenen vor - aus Werken von Nelly Sachs, Leonhard Frank,
Jakob Wassermann, Heinrich Heine, Franz Kafka, Erich Maria Remarque, Kurt Tucholsky.

Bürgermeister Klaus Lamprecht steuerte gar Verse von Erich Weinert bei
und Landtagsabgeordnete Ina Leukefeld einen Brief Heinrich Manns an
die Deutschen vom Mai 1945, geschrieben aus dem amerikanischen Exil.

Und nächstes Jahr wieder so?

kle



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Quelle: http://www.freies-wort.de


,.-

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