Manfred Willi Lerch

18.06.2008, 12:42
 

Magdeburger Friedensaktivist "Mario Falcke"

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Lokalnachrichten: Potsdam-Mittelmark

18.06.2008


Einzelhaft ohne Tageslicht

In Werder sprachen einstige DDR-Häftlinge mit Schülern über ihre Erlebnisse

17.6. 2008

Von Tobias Reichelt


Werder (Havel) Es war ein schwer verdaulicher Happen DDR-Geschichte:
Am Jahrestag des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 mussten viele Schüler
des Werderaner Ernst-Haeckel- und des Michendorfer Wolkenberg-Gymnasiums
erst einmal tief durchatmen. „Soviel davon will ich gar nicht hören“, sagte
Nicole gestern nach der Veranstaltung im Werderaner Scala-Kino.



Mit dem Oscar-prämierten Film „Das Leben der Anderen“ sollten die Schüler
der zehnten und elften Klassen auf die nachfolgende Diskussion mit drei
Zeitzeugen der DDR-Verfolgung eingestimmt werden.

Gelingen konnte das nicht, fand Mario Falcke, einer der drei Podiumsgäste.
Denn die Geschichte, dargestellt vom verstorbenen Ulrich Mühe, hat letzt-
endlich ein glückliches Ende. Für viele Verfolgte des DDR-Regimes gab es
das nicht, erklärte Falcke.

Noch heute hat er mit den gesundheitlichen Schäden seiner Gefangenschaft
zu kämpfen. Fünf Monate verbrachte er in einer kleinen Stasi-Zelle, ohne
Tageslicht auf einem Hocker sitzend. „Tag für Tag, Woche für Woche“, so
erzählte der 45-jährige Magdeburger Friedensaktivist den Schülern:
„ohne Mp3-Player, ohne Handy“.

Einmal am Tag bekam er Essen und durfte auf Toilette,
hielt man bis dahin nicht durch: Pech gehabt.

Die DDR kümmerte sich kein Stück um das Wohl vermeintlicher oder
wahrer Gegner des Systems. Falcke war insgesamt knapp dreieinhalb
Jahre inhaftiert. Aus seinem Traum, Schauspieler zu werden, ist in
der DDR nichts geworden. Heute ist er Werbekaufmann.

Dieter Dombrowski, seit 1999 Landtagsabgeordnter der CDU,
wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, weil er seine Mutter, die
im Westen einen Herzinfarkt erlitten hatte, besuchen wollte.

Auf der Flucht erwischte ihn die Polizei.

Bis zu 28 Männer waren in den 40 Quadratmeter kleinen Zellen in Cottbus
untergebracht, beschrieb der Politiker die Zustände im DDR-Knast.

Fast das gesamte Leben spielte sich in ein und demselben Raum ab:
essen,trinken, schlafen. Nur gearbeitet wurde woanders.

Dombrowski entgratete Aluminiumgehäuse für
Fotoapparaten für 17 DDR-Mark monatlich.

Ein 62-jähriger Mithäftling, so erzählte Dombrowski, sei schon am ersten Tag
in Gefangenschaft in der Zelle zusammengebrochen. Blut floss dem gerade
inhaftierten Besitzer eines Privatbetriebes aus dem Mund, kurz zuvor waren
er und seine gesamte Familie verhaftet und auf verschiedene Gefängnisse
verteilt worden. Doch nachts kam niemand, um die Magenblutung des älteren
Herren zu stoppen. Erst nachdem Dombrowski und andere Inhaftierte Gläser
aus dem Fenster in den Innenhof warfen, regten sich die Wärter.

Noch in der selben Nacht starb der Mithäftling.

„Wenn sieben Männer zum Arzt gingen, alle mit unterschiedlichen Symptomen,
kamen alle mit dem selben Medikament zurück“, erzählte Dombrowski.

Man wurde behandelt, aber nicht gut. Es stecke viel Wahrheit in der Geschichte
mit dem Hollywood-Erfolg, sagte auch Siegfried Reiprich, [51] der heute die
Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen leitet.

„Erschreckend, interessant und extrem“ fand Nicole vom Wolkenberg-Gymnasium
die Erzählungen. Initiiert wurde die Veranstaltung von Saskia Funck. Eine Studie
der Berliner FU hatte nicht zuletzt die CDU-Landtagsabgeordnete aufhorchen lassen:
Nur rund die Hälfte der märkischen Schüler konnten den Tag des Mauerbaus datieren,
seit gestern sind es einige mehr.

Von Tobias Reichelt



Quelle: http://www.pnn.de

,.-

Manfred Willi Lerch

18.06.2008, 13:12

@ Manfred Willi Lerch

Stasi-Häftlinge im Gespräch mit Schülern/Alarmierende Studie

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GESCHICHTE: „Ich leide immer noch“

Ehemalige Stasi-Häftlinge im Gespräch mit Schülern /Alarmierende Studie


WERDER/Havel - Als der Abspann über die Leinwand flimmert und ein
Schauspielername nach dem anderen aufgelistet wird, ist es vollkommen
still im Saal: 220 Schüler aus den Gymnasien von Werder und Michendorf
füllen die Sitzreihen des Werderaner Scala-Kinos.

Einigen von ihnen hat die Handlung des Oscar-prämierten Spielfilms „Das
Leben der Anderen“ die Sprache verschlagen – so dramatisch,spannend
und historisch detailliert wurde hier die Stasi-Bespitzelung des fiktiven
Theaterautors Georg Dreymann geschildert, dessen künstlerisches und
privates Leben dadurch aus den Fugen gerät.

Erst nach einigen Minuten beginnen die Jugendlichen Fragen zu stellen.

Die Präsentation des Films diente als Grundlage für eine Diskussion mit
den Zeitzeugen und ehemaligen Stasi-Häftlingen Dieter Dombrowski
und Mario Falcke.


„Leider wird das Bild der DDR heute immer noch verklärt“, sagt
CDU-Landtagsabgeordnete Saskia Funck, die das Projekt initiierte
und damit eine Veranstaltungsreihe an brandenburgischen Schulen
starten will.

So soll an insgesamt sieben Orten unter dem Motto
„Campus Tour – Das Leben der Anderen“ der Kinofilm
mit anschließender Zeitzeugen-Diskussion gezeigt
werden.

Auslöser für die Projektreihe war eine von der Freien Universität Berlin
durchgeführte Studie zum DDR-Bild von Schülern in Deutschland.

Das alarmierende Ergebnis: Mehr als 70 Prozent der märkischen
Schüler konnte die Hälfte der Fragen nicht richtig beantworten.

Lediglich 54 Prozent kannten das Jahr des Mauerbaus.

Nur jeder Dritte wusste, dass die DDR die Mauer gebaut hatte.

Um diese Wissenslücken zu füllen war zusätzlich der stellvertretende
Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen eingeladen.

Dieser berichtete: „250 000 politisch Gefangene gab es in der DDR.

Sie wurden vollkommen isoliert in einer Zelle gehalten, psychisch gefoltert.“
Kurz darauf schnellt aus den hinteren Sitzreihen die Hand eines Schülers in
die Höhe. „Warum wollten Sie aus der DDR flüchten“, fragt er den ehemaligen
Häftling Dieter Dombrowski. „Da gibt es viele Gründe“, erwidert dieser.


„Ausschlaggebend war für mich, dass meine Mutter, die in West-Berlin
wohnte, einen Herzinfarkt erlitt und ich keine Ausreisegenehmigung bekam.“

Wegen versuchter Republikflucht wurde er schließlich für vier Jahre
verhaftet. „Ich lebte mit 27 Gefangenen in einer 40-Quadratmeter-Zelle,
wir hatten keinen Speiseraum, die Toilette war nur notdürftig abgetrennt“,
berichtet er. Auch eine ordentliche medizinische Versorgung habe es nicht
gegeben.

Mario Falcke musste eine mehrjährige Freiheitsstrafe verbüßen, da er
Mitglied einer kirchlichen Friedensbewegung war. „Mir fällt es nicht
leicht, diesen Film anzusehen. Ich leide immer noch unter den Folgen
der Haft“, sagt er nach der Vorführung.

Schüler Carl-Friedrich Richter imponiert die Offenheit der Zeitzeugen.

„Man bekommt durch ihre Erfahrungen ein unmittelbares Bild“, sagt er.

„In der Schule haben wir nur oberflächlich über die DDR gesprochen.“

Von Anne Mareile Moschinski


Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de

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