defiance

31.10.2015, 22:17
 

Es ist nun an der Zeit "DJV STASIÜBERPRÜFUNG"

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03.11.2015, 20:30

@ defiance

"Belege sind zureichend, zu dem Betroffenen IMS "Michael"

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03.11.2015 14:34

"Belege sind zureichend, in dem Betroffenen IMS "Michael" zu sehen"

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Stasi-Forscher Helmut Müller-Enbergs:

"Belege sind zureichend, in dem Betroffenen IMS "Michael" zu sehen"
Helmut Müller-Enbergs zählt zu den führenden deutschen Stasi-Experten.
Er entdeckte, dass der Todesschütze von Benno Ohnesorg, Karl-Heinz Kurras,
ein Stasi-IM war. Müller-Enbergs ist Professor in Dänemark und spezialisiert
auf die West-Spionage der Stasi.

Foto: Archiv

Helmut Müller-Enbergs ist Autor des Standardwerks "MfS-Handbuch - Der inoffizielle Mitarbeiter".
Der promovierte Politologe hat für KRESS die Stasi-Akte des "IM Michael" analysiert:
"Nach Sichtung der Unterlagen komme ich zu dem Schluss, dass die Belege in den
bislang aufgefundenen Materialien zureichend sind, in dem Betroffenen
IMS "Michael" zu sehen".Der Vorsitzende des DJV Berlin, Bernd Lammel, war "IM Michael".

Der Deutsche Journalisten-Verband hat sich heute einstimmig für eine Aufarbeitung der
Stasi-Verstrickungen von Journalistinnen und Journalisten in Ost und West ausgesprochen.

Der DJV-Verbandstag verabschiedete heute in Fulda einen entsprechenden Antrag.
Darin wird der neue DJV-Bundesvorstand aufgefordert, "die Verstrickungen von
Journalistinnen und Journalisten in Ost und West in die Machenschaften des
Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (STASI) in Zusammenarbeit mit
zuständigen Einrichtungen zu prüfen und deren unabhängige und
wissenschaftliche Aufarbeitung anzustoßen", wie es wörtlich heißt.

Damit klar ist, dass es sich bei der Berichterstattung von kress.de
um keine Form der Verdachtsberichterstattung handelt und auch der
Vorstand des DJV Berlin mit der Mail an seine Mitglieder die Falschen,
nämlich die Journalisten, die fair berichten, kritisiert, dokumentieren
wir hier die Analyse von Helmut Müller-Enbergs im Original.
Bülend Ürük, Chefredakteur

"IMS Michael"

In meiner Eigenschaft als Professor an der Syddansk Universitet habe
ich mir Unterlagen zum Vorgang IMS "Michael" angesehen und gelange
zu Schlussfolgerungen:

1. Die Personal- und Arbeitsakte des IMS "Michael" scheint bislang nicht aufgefunden worden zu sein. Das erscheint nach bisherigen Erfahrungen lediglich eine Frage der Zeit zu sein, da diese ausweislich der vorliegenden Unterlagen bis zuletzt geführt wurde; sich diese also voraussichtlich noch in den unsortierten Ablagen (teils Säcken) befinden wird. Dass es eine Personal- und Arbeitsakte gab, erschließt sich aus dem Vorgangsheft des Vorgangsführers wie auch aus einer der beiden Karteikarten. Im Übrigen handelt es sich bei den bislang vorliegenden Unterlagen um eine Zusammenstellung von Materialien, die überwiegend auch in der Akte des IMS "Michael" abgelegt worden sein werden, aber offenbar darüber hinaus innerhalb des MfS zur Kenntnis gebracht worden sind, und somit schon gegenwärtig zugriffsfähig sind.

2. Offenkundig - wie aus einer der beiden Karteikarten hervorgeht - wurde der Betreffende 1984 eben in der internen Kartei verzeichnet. Ebenso offenkundig bestand ab dem Jahre 1984 die Absicht, den Betreffenden als Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) des MfS zu werben. Diese Absicht erschließt sich aus dem Hinweis, dass zunächst zu ihm eine Vorlaufakte (V) angelegt wurde, die MfS-intern als VIM bzw. als Vorlauf-IM ausgewiesen wird. In dieser Phase weiß regelmäßig lediglich das MfS von seiner Absicht, eine Person als IM werben zu wollen; der Betreffende wusste bis zu seiner Werbung ebenso regelmäßig nichts davon. Dass sich bei ihm daran etwas geändert haben wird, erschließt sich daraus, dass der Hinweis auf "Vorlauf" später gestrichen, statt dessen IM vermerkt worden ist. Zweifelsfrei typisch.

3. Einen Hinweis, den Betreffenden als "Informellen Mitarbeiter" zu werben, erschließt sich aus den vorliegenden Unterlagen nicht. Das ist auch nicht wahrscheinlich, da es diese Bezeichnung nicht beim MfS gab. Folglich können auch keine "Informellen Mitarbeiter" ohne deren Wissen geführt worden sein. In kaum einem Dutzend von gut 624.000 Fällen verzeichnete das MfS Personen als IM, ohne dass es zu einer tatsächlichen Kooperation gekommen ist. Diese Norm abweichenden Fälle flogen nach einiger Zeit auf und hatten berufliche Konsequenzen für die Vorgangsführer; diese kamen in den 1980er Jahren bekanntlich nicht mehr vor, da die internen Kontrollmechanismen zu engmaschig waren. Solche Täuschungsversuche weisen in allen bekannten Fällen signifikante Merkmale auf (wie etwa abstrakte Stimmungs-, kaum Personen bezogene Berichte). Keines dieser bekannten Merkmale können bei den zu IMS "Michael" angelegten Unterlagen festgestellt werden. Insoweit ist mit denkbar großer Wahrscheinlichkeit auszuschließen, dass es sich bei IMS "Michael" um einen fiktiven Vorgang handelt. Dagegen spricht einiges, unter anderem, dass dieser IMS in Planungen mehrere Struktureinheiten eingebunden war, was unmittelbar das Aufplatzen eines Täuschungsvorganges zur Folge hätte haben können. Im Übrigen fehlt es bislang an Belegen für die Behauptung, dass es beim MfS Planerfüllungen bei IM-Werbungen gegeben haben soll. Es gab Pläne, die mal aufgingen, mal nicht; im Übrigen stets ohne Konsequenzen.

4. Offenkundig kannte IMS "Michael" ab 1988 den Bezugspartner beim MfS, da fortan personenbezogene Sachverhalte dokumentiert sind, die für den Vorgangsführer seinen Ursprung in ihm haben. Dabei ist unerheblich, ob noch andere gleichfalls Kenntnis von den Sachverhalten selbst hatten. Für den Vorgangsführer stammen diese Angaben von ihm - unbeschadet überdies davon, ob diese zutreffend sind oder nicht.

5. IMS heißt im Übrigen Inoffizieller Mitarbeiter zur Durchdringung und Sicherung des Verantwortungsbereiches. Die für Spionageabwehr zuständige Diensteinheit HA II (Hauptabteilung), Abteilung 9, Referat 1, für die dieser IMS verzeichnet ist, war für die Durchdringung und Sicherung bestimmter britischer Einrichtungen zuständig. Das IMS "Michael" für diese Diensteinheit erfasst war, geht schlüssig aus vorliegenden Unterlagen hervor; und deckt sich auch mit dem Inhalt der dokumentierten Sachverhalte selbst. Streuware anderer Couleur gehört in der operativen Landschaft im Übrigen dazu.

6. Den von Ihnen überlassenen Auszug habe ich mir angesehen. Die Ausführungen sind eine Mischung aus banalen Tatsachenfeststellungen und unbelegten Behauptungen. Ich bin nur Wissenschaftler und meine Expertise lehrt mich, mit Erklärungen wie, es gebe keine Verpflichtungserklärung noch von ihm gefertigte Berichte, oder es gäbe keine IM-Akte zu ihm, behutsamer umzugehen. Zumal es nicht zwingend einer Verpflichtungserklärung schriftlicher Natur bedurfte, geschweige, dass 1988/89 in jedem Fall von ihm gefertigte Berichte abverlangt worden sein müssen. Vielmehr genügte allein die Information selbst, da es sich bekanntlich beim MfS auch um einen Nachrichtendienst handelte, den wesentlich die Information zur Beherrschung einer Sicherheitslage in einem bestimmten Bereich interessierte. Und das MfS hatte es angesichts der doch vielfach hilfreichen Hände nicht nötig, sich der Mehrarbeit auszusetzen, fiktive Unterlagen zu schaffen. Das im Übrigen gänzlich unbeschadet des informatorischen, mitunter wahrnehmungsselektiven Inhalts.

7. Es ist im Übrigen unüblich, dass eine Person das MfS in einer konspirativen Wohnung das MfS traf - wie IMS "Michael" -, ohne dass der Wohnung Aufsuchende über den Bezugspartner einen zureichenden Aufschluss gewonnen hat. Zumal es sich bei der konkreten Wohnung um eine solche handelte, wo sich auch wertige IM aufgehalten haben. Meiner Erfahrung nach kann hier auch in diesem Fall Fiktionalität ausgeschlossen werden.

8. Nach Sichtung der Unterlagen komme ich zu dem Schluss, dass die Belege in den bislang aufgefundenen Materialien zureichend sind, in dem Betroffenen IMS "Michael" zu sehen. Meine Erfahrung lehrte mich, dass jene, die sich öffentlich präziser erinnern und sich dahin gehend auch erklären, auf größere Akzeptanz stoßen als jene, die eine andere Variante wählen. Zumal das Risiko vorhanden ist, durch bestimmte Erklärungen bereits Festlegungen getroffen zu haben, die dann durch später aufgefundene Unterlagen widerlegt werden.

9. Nach der eidesstattlichen Versicherung war ihm bewusst, dass er mit Personen, die für das MfS arbeiten, Gespräche führt. Er räumt ein, diesen Informationen gegeben zu haben. Wenn ich den Gesetzgeber mit seiner Legaldefinition des inoffiziellen Mitarbeiters des MfS richtig deute, hat er durch die Bereitschaft, eben an Personen des MfS Informationen zu liefern, die Merkmale erfüllt, ihn als IM des MfS bezeichnen zu können.

10. Daran ändert nichts, dass ihm die Bezeichnung IM unbekannt war.
Der Hinweis auf einen Vorlauf-IM ist getilgt worden, stattdessen IM
bzw. IMS in den Unterlagen ausgewiesen worden, also umregistriert
zum IM.

11. IM und IMS lässt sich so verstehen: IM ist der Oberbegriff, IMS die Spezifikation. Ein Analogon wäre Haus (IM) zu Bungalow (IMS). Details in einer Publikation von mir mit dem Titel: Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit. Teil 1: Richtlinien und Durchführungsbestimmungen. Berlin 1996, S.63-65.

12. Ein britischer Staatsbürger, der als "Operatives Ausgangsmaterial" "Pluto" tituliert wurde, soll ausweislich der Unterlagen gegenüber IMS "Michael" am 16. Oktober 1989 die Bereitschaft signalisiert haben, eine Großbriefsendung nach West-Berlin zu befördern. Angenommen, der Sachverhalt ist zutreffend, würde ich schlussfolgern, dass offenkundig ein Vier-Augen-Gespräch zwischen einem IM und einer Zielperson stattgefunden hat, über dessen Inhalt zumindest teilweise das MfS am Folgetag Kenntnis hatte. "Pluto" ist nicht als IM, sondern lediglich als möglicherweise relevante Zielperson (OAM) ausgewiesen, während "Michael" als IMS/IM firmiert. Meine Annahme lautet, dass einer von beiden das MfS dahingehend unterrichtet haben wird; dass dies "Pluto" gewesen sein könnte, erscheint mir wenig wahrscheinlich.

Helmut Müller-Enbergs

Quelle: kress.de

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defiance

04.11.2015, 01:54

@ defiance

Die DJV-Berlin Nitro-Connection

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09.10.2015 12:14

Filz und Vetternwirtschaft beim Journalisten-Hauptstadtverband?

Die DJV-Berlin-Nitro-Connection

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Ausriss aus der Akte von "IM Michael".

Seit Wochen reiben sich deutschlandweit Journalisten verwundert die Augen - und fragen sich, warum der DJV Berlin krampfhaft an seinem Stasi-belasteten Vorsitzenden festhält. Den Schlüssel zur Antwort liefert ein kleines Hochglanz-Magazin.

Der heutige DJV-Berlin-Vorsitzende Bernd Lammel wurde von der Stasi als "IM Michael" geführt. "IM Michael" berichtete laut Unterlagen der BStU-Behörde aus Treffen mit dem britischen Botschafter, seine Ziele waren Journalisten und Künstler, auch Fotokonzerne und der Ullstein-Bilderdienst.

Lammel erklärte am Donnerstag in einer Stellungnahme an die Mitglieder des DJV Berlin: "Ich habe niemals für das MfS gearbeitet oder mich bereit erklärt, diesem Informationen zu liefern." Der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken hat Lammel aufgefordert, sein Amt ruhen zu lassen.

Der angesehene DDR- und Stasi-Experte Jochen Staadt fordert vehement Lammels Rücktritt. Und doch halten die Gremien des DJV Berlin so eisern wie verbissen an ihrem Vorsitzenden fest.

Keine Rücktrittsforderung vom Landesvorstand, keine außerordentliche Mitgliederversammlung: das verwundert. kress.de hat nach den Gründen recherchiert - und ist dabei auf ein Dickicht fragwürdiger Verflechtungen gestoßen.

Berliner Funktionsträger: Nur Marionetten am Nitro-Faden?

Wer bei einigen Funktionsträgern des Berliner Landesverbandes genauer hinschaut, macht schnell große Augen: Immer wieder laufen Fäden bei ein und demselben Printmagazin zusammen. Das Magazin heißt "Nitro", nach eigener Bezeichnung ein "unabhängiges Magazin für Medien und Zeitgeschehen". Ein Hochglanz-Heft, rund 100 Seiten stark, Erscheinungsweise: vierteljährlich. Die herausgebende "Berliner Journalisten Verlagsgesellschaft" wirbt mit "guten Kontakten in Presse, Wirtschaft und Politik". Zur Heftauflage schreibt die Verlagsgesellschaft nichts, das Magazin ist nicht IVW-geprüft.

Die Redaktionsadresse führt zu einem Hinterhaus in der Schönhauser Allee 122 am Prenzlauer Berg, Berlin. Bei Google Street View hat jemand das gesamte Gebäude vom ersten Stock aufwärts unkenntlich machen lassen.

In der Schönhauser Alle 122 firmiert zugleich auch der DJV-Vorsitzende Bernd Lammel mit seinem Fotografenbüro. Das konnte man auf seiner Website erfahren. "Konnte" und nicht "kann", weil Lammel seine Website vor kurzem ohne Erklärung abgeschaltet hat. Die URL bernd-lammel.de leitet jetzt nur noch zu einem Foto-Dienst weiter, für den man ein Passwort braucht. Ein Impressum liefert Lammel dort nicht.
Geborgte Seriosität

Welche Gesellschaftsform die Verlagsgesellschaft "Nitro" hat, wird im Heft nicht mitgeteilt. Für das Vertrauen der Nitro-Leser sollen vertraute Gesichter sorgen: Günther Jauch, Sandra Maischberger, Marietta Slomka, Maybrit Illner - regelmäßig wirbt das Blatt mit Fotos von Medien-Promis auf dem Titel. Auch Ulrich Deppendorf, bis vor kurzem ARD-Hauptstadtstudio-Chef, hat die Redaktion schon abgelichtet. Im Wartesaal des DJV Berlin liegt Nitro meist zur kostenlosen Mitnahme aus.

Die Herausgeberin des Magazins ist Lammel mehr als nur verbunden: Sie ist seine Ehefrau, Bettina Schellong-Lammel. Schellong-Lammel ist früher als Chefredakteurin des Magazins aufgetreten.

Ehemann Bernd zeichnet laut Impressum verantwortlich für die "Bildredaktion" und liefert regelmäßig eigene Fotos für das Heft - gern auch vom eigenen Häuschen in Falkensee, gleich am Berliner Stadtrand, wo er laut branchen-info.net einen Dienst namens "Archivsysteme Falkensee" betreibt. Falkensee ist auch Lammels Geburtsort. So steht es in seiner IM-Akte.
Die "Nitro"-Website wird von einer weiteren Frau gleichen Nachnamens betreut.

Das System Lammel: ein Geflecht mit vielen Playern

Zwischen Nitro und den Gremien des DJV Berlin existiert ein Geflecht von Verbindungen, das so dicht ist, dass man eine große Werbewand bräuchte, wenn man sie alle aufmalen wollte. Ein Geflecht aus handfesten wirtschaftlichen Interessen: Maßgebliche Funktionsträger des DJV Berlin sind ins Lammel-Familienbusiness eingebunden, seit Jahren schon, in immer neuen Funktionen.

Von kress.de zu ihren Verflechtungen mit den Lammels befragt,
hat keiner der genannten Funktionsträger geantwortet.

Heide-Ulrike Wendt

Das fängt an bei der aktuellen "Nitro"-Chefredakteurin. Die heißt Heide-Ulrike Wendt. Im Berliner DJV sitzt Wendt auf dem Posten der stellvertretenden Vorsitzenden des "Fachausschusses Freie".
Wendt war, wie sie auf ihrer Website schreibt, einst Redakteurin der DDR-Blätter "Wochenpost" und "Für Dich". Im Internet präsentiert sie sich in schwarz-weiß, mit Dauerwelle und einem Erich-Honecker-Porträt hinter ihr an der Wand.

Wer wie Wendt im DJV Berlin einem Fachausschuss vorsitzt, gehört laut Vereinssatzung zum so genannten "Erweiterten Vorstand". Auch der könnte, genau wie der "engere" Vorstand, eine außerordentliche Mitgliederversammlung verlangen. Lammel wäre dann als Vorsitzender aller Voraussicht nach Geschichte. Doch weder Vorstand noch Erweiterter Vorstand haben bisher die Mitglieder abstimmen lassen - obwohl die den Verein und dessen Vorsitzenden-Bezüge mit ihren Beiträgen finanzieren.

Jens Schrader

Zum Hauptvorstand des Berliner DJV zählt Jens Schrader. Schrader ist dieser Tage ein kleiner Prominenter: Er ist Schatzmeister des Verbandes und beantwortet in dürren Zeilen Presseanfragen, die die Lammel-Affäre betreffen. Im Hauptberuf ist Schrader Geschäftsführer des PR-Unternehmens "sense:ability". Wer von Schrader eine Antwort auf eine Presseanfrage zu Lammel erhält, erhält sie von Schraders "sense:ability"-Mail-Adresse aus. Die Dienste seines Unternehmens bewirbt Schrader regelmäßig - selbstverständlich im Lammel-Magazin "Nitro". Lammel wiederum hat auf seiner zwischenzeitlich abgeschalteten Website Schraders "sense:ability" als "Partner" aufgeführt.
Astrid Sonja Fischer

Ebenfalls in mehrfacher Mission unterwegs ist Astrid Sonja Fischer. Als freie "Nitro"-Autorin schreibt Fischer unter anderem über das "Internet der Dinge". Im DJV-Landesvorstand ist sie zugleich voll stimmberechtigte Beisitzerin - und überdies auch noch "Ansprechpartnerin" des "Fachausschusses Print".

Katharina Dockhorn

Ähnlich rustikal hat Katharina Dockhorn Ehrenamt und Berufstätigkeit miteinander verbunden: Dockhorn ist gewählte Vorsitzende des "Fachausschusses Freie" im DJV-Hauptstadtverband - und zugleich, wie Fischer, als freie Autorin für "Nitro" aktiv.
Dockhorn ist eine ehemalige Redakteurin des staatlichen Fernsehens der DDR.(DFF)


Bettina Iduna Kieke

Für "Korrekturen" im Magazin ist laut "Nitro"-Website eine Frau namens Bettina Iduna Kieke zuständig. Kieke, von Beruf PR-Beraterin, hat im DJV Berlin das Vorsitzenden-Amt im Aufnahmeausschuss inne und entscheidet mit, wer in den Verband darf und wer nicht. Mit den vielen unterschiedlichen Funktionen ihrer Mitarbeiter kommen die Lammels offenbar schon mal durcheinander: Nur einen Klick weiter, unter "Redaktion", wird Bettina Iduna Kieke als "Redaktionsleiterin" geführt - nur ohne zweiten Vornamen, als "Bettina Kieke". Kieke selbst gibt im Internet an, dass sie "seit 2004" bei "Nitro" sei - ein "Gründungsmitglied", "mit wechselnden Aufgabenbereichen (Redaktionsleitung, Korrektorat, Autorin, Web-2.0 u. a.)".

"Berliner Journalisten"

"Nitro" selbst ist ein Relaunch eines Magazins mit dem schlichten Titel "Berliner Journalisten". Der Schriftzug "Berliner Journalisten" ist bis heute auf dem Heftrand jedes aktuellen "Nitro"-Titels aufgedruckt.

Gegründet wurde "Berliner Journalisten" laut Wikipedia "als Kollegenprojekt vom Fotografen Bernd Lammel, seiner Frau Bettina Schellong-Lammel ("Bild der Frau", "Frau im Trend";), dem Journalisten, Buchautor und Blogger Burkhard Schröder ( BURKS) und der Diplomjournalistin und PR-Beraterin Bettina-Iduna Kieke." Erstaunlich detailverliebt notiert das Online-Lexikon: "Zunächst fungierten Kieke als Chefredakteurin, Lammel als Fotochef, Schellong-Lammel als Herausgeberin und Schröder als Chefreporter. Später waren Kieke und Schröder gemeinsam Chefredakteure, dann Schröder allein, und Kieke fungierte als Redaktionsleiterin." So oft die Positionen auch in schwindelerregender Weise wechseln: Die Namen bleiben immer dieselben.


Burkhard Schröder

Der Blogger Burkhard Schröder bestätigt Angaben aus dem Wikipedia-Artikel: Er wirbt auf seiner Website mit seiner früheren Tätigkeit als Chefredakteur der "Berliner Journalisten". Im DJV Berlin fungiert er als stellvertretender Vorsitzende des "Fachausschusses Online". Schröder betont seine Arbeit "in der maoistischen KPD" in jungen Jahren. Im Zusammenhang mit der Stasi-Debatte bezeichnet er "IM Michael" alias Bernd Lammel als "anständig".

Nitro hat er auf seiner Website verlinkt.

Anzeigen in "Nitro"

Und der DJV Berlin als Ganzes? Er schaltet regelmäßig Anzeigen
in "Nitro" - zu bewundern direkt unter dem Heft-Impressum.

"Ein Verein muss nicht basisdemokratisch sein"

So schlicht die DJV-Berlin-Nitro-Connection gestrickt ist, so schwer scheint es, formal dagegen vorzugehen. "In der Sache ist das vielleicht anrüchig", bewertet der auf Vereinsrecht spezialisierte Münchner Anwalt Roland P. Weber das Verbindungsdickicht. Doch auf dem Rechtsweg könnten frustrierte Mitglieder dagegen nicht angehen. "Juristisch hat das keine Folgen", so Weber zu kress.de. Denn: "Gewählt ist gewählt."

Die einzige Möglichkeit zur Veränderung, so Weber, besteht darin, den betroffenen Vorstandsmitgliedern bei der nächsten Wahl die Stimme zu verweigern: "Das ist wie in der Politik. Wenn ein Minister nichts taugt, dann wird er gefeuert." Ein Verein, so Weber, sollte zwar eigentlich eine basisdemokratische Sache sein. Doch ein Vereinsvorstand müsse sich an diesen Grundsatz nicht halten.

Lammel-Expansion nach Ostdeutschland gestoppt

Vorerst gestoppt sein dürfte lediglich Lammels Versuch, sein Imperium weit über Berlin auszudehnen. DJV-Bundesverbandssprecher Hendrik Zörner bestätigte gegenüber kress.de Informationen aus Sachsen und Thüringen, denen zufolge Lammel versucht hat, "Nitro" zur offiziellen und damit von den Mitgliedern zu bezahlenden Zeitschrift der ostdeutschen DJV-Landesverbände zu machen. "Es gab diesen Versuch, das haben wir beobachtet", sagt Zörner. Bewerten wolle der Bundesvorstand dies nicht, da der Vorstoß am Ende ohne Folgen geblieben sei. Das Vorhaben sei am Widerstand verschiedener Landesverbände gescheitert, berichten Kenner der Vorgänge.

Empörung unter Mitgliedern wächst

Mittlerweile wächst die Empörung unter den einfachen Mitgliedern täglich.
"Ich bin also in einem Journalistenverband, in dem Mitglieder für die
#Stasi gespitzelt haben.

Traurig!", twitterte "Cicero"-Medienkolumnistin Petra Sorge.

Als "Betonkopf" bezeichneten die Kollegen von "Bild Investigativ"
Lammel - und twitterten: "#StasiNotWelcome".

Die "Bild"-Reporter hatten zuvor schon Auszüge aus
Lammels Stasi-Akte bei Twitter veröffentlicht.

von Bülend Ürük, Mitarbeit: Volker Warkentin

Quelle: kress.de

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defiance

04.11.2015, 02:20

@ defiance

Nach jedem Fernsehauftritt geht das wieder los

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27.10.2015 12:00

"Nach jedem Fernsehauftritt geht das wieder los":

Wie die Stasi Journalisten verfolgte

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Ellen Thiemann

Im Fall der Spitzelvorwürfe gegen Mitglieder des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) haben sich nun Journalisten zu Wort gemeldet, die von der Staatssicherheit der DDR und der SED-Diktatur verfolgt und inhaftiert wurden.

Ellen Thiemann (Foto) sagte gegenüber kress.de:
"Wer mit diesen Vorwürfen konfrontiert wird, muss sofort zurücktreten.
Solche Leute haben in öffentlichen Ämtern nichts zu suchen."

Seit Wochen dominiert das Thema Stasi im Deutschen Journalisten-Verband: Der heutige DJV-Berlin-Vorsitzende Bernd Lammel wurde von der Stasi als "IM Michael" geführt. "IM Michael" berichtete laut Unterlagen der Jahn-Behörde aus Treffen mit dem britischen Botschafter, seine Ziele waren Journalisten und Künstler, auch Fotokonzerne und der Ullstein-Bilderdienst. Lammel erklärte erst Wochen nachdem rbb-Investigativjournalistin Gabi Probst den Fall zuerst publik gemacht hatte in einer Stellungnahme an die Mitglieder des DJV Berlin: "Ich habe niemals für das MfS gearbeitet oder mich bereit erklärt, diesem Informationen zu liefern." Der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken hatte zuvor Lammel ausdrücklich aufgefordert, sein Amt ruhen zu lassen. Der angesehene DDR- und Stasi-Experte Jochen Staadt forderte vehement Lammels Rücktritt, klare Worte fand auch Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen im ehemaligen zentralen Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit.
Stasi-Opfer: "Wer mit Vorwürfen konfrontiert wird, muss sofort zurücktreten"

Ellen Thiemann sieht die Rücktritte als einzig richtige Konsequenz an: "Wer mit diesen Vorwürfen konfrontiert wird, muss sofort zurücktreten. Solche Leute haben in in öffentlichen Ämtern nichts zu suchen." Diese Denunzianten hätten Familien und Existenzen zerstört. "Lediglich bei Jugendlichen sind Ausnahmen angebracht", sagt sie.

Thiemann wächst in der DDR in einer Journalistenfamilie auf. Auch ihr heutiger Ex-Mann arbeitet nach dem Ende seiner Sportlerkarriere für die Presse der DDR. 1963, Im Alter von 26 Jahren, steht für Thiemann die Beförderung zur Chefredakteurin eines Ost-Blattes an. Die Bedingung: Sie muss den Kontakt zu ihrem Bruder abbrechen, der zuvor in den Westen geflohen war. Doch Thiemann weigert sich. Neun Jahre später scheitert ihr Versuch, in den Westen zu fliehen. Drei Jahre und fünf Monate verbringt sie daraufhin im Gefängnis, zweieinhalb Jahre davon im Frauengefängnis Hoheneck im sächsischen Stollberg. Schließlich kommt sie 1975 nach Vermittlung durch DDR-Star-Anwalt Wolfgang Vogel frei und darf ausreisen. Später erfährt sie, dass einige ihrer engsten Vertrauten aus ihrer DDR-Zeit über sie an die Stasi berichtet haben. Noch heute leidet sie unter Einschüchterungsversuchen: "Nach jedem Fernsehauftritt, den ich habe, geht das wieder los", sagt die 78-Jährige.
Stasi hat am "Roten Kloster" gewildert

Thiemanns Geschichte ist kein Einzelfall: Christian Booß arbeitet als Projektkoordinator für den Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatsicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU). Einer seiner Forschungsschwerpunkte liegt auf dem Verhältnis von Staatsicherheit und Medien. Er kennt viele Fälle von Journalisten, die in der DDR nicht Fuß fassen konnten: "In inhaltlichen Fragen darf man den Einfluss der Stasi auf die DDR-Presse zwar nicht überschätzen", sagt er. Das hätten die SED und die ihr unterstellten Presseämter schon selber besorgt. "Die Stasi hat freilich an bestimmten Vorgängen Interesse gehabt, an verfänglichen Druckfehlern oder an staatskritischen Leserbriefen", sagt er.

Da habe es meist in Redaktionen Personen gegeben, die ihr zugearbeitet haben. "Weil DDR-Journalisten viele Kontakte hatten und teilweise in den Westen reisen durften, hat die Stasi sie auch gerne genutzt, um Westbürger oder DDR-Sportler bei internationalen Wettkämpfen auszukundschaften", sagt er. Das Ministerium für Staatssicherheit habe deshalb auch in Leipzig an der Karl-Marx-Universität, wo die Journalisten ausgebildet wurden, geradezu gewildert. Der Grund: Die Uni unterstand nicht der Staatssicherheit, sondern der Abteilung Agitation und Propaganda des Zentralkomitees der SED. Sie trug auch deshalb den Spitznamen "Rotes Kloster".

"Die Journalisten, vor allem der wichtigen SED-Zeitungen, wurden von verlässlichen Redakteuren oder der Partei ausgesucht. Aber die Stasi wurde oft um eine Einschätzung gebeten: Hat jemand Westkontakte? Hegt jemand einen Ausreisewunsch? Solcherlei Erkenntnisse konnten schnell zu einer Karriereverkürzung führen", sagt Booß.

Florian Engels reist 1981, mit 22 Jahren, als westdeutscher Reporter in die DDR. Auf seiner dreiwöchigen Reise macht er viele Fotos, führt Tagebuch und Interviews. Zwar arbeitet er ohne Auftrag, jedoch hat er bereits für das Nachrichtenmagazin "stern" geschrieben. Als er an der Grenze bei Coburg zurück in den Westen fahren will, wird sein Auto durchsucht und ihm wird vorgeworfen, mit seinen Recherchen der DDR schaden zu wollen. Als Beweise dienen sein Presseausweis, einige Filme, sein Tagebuch und seine Schreibmaschine. Er wird festgenommen und kommt in das berüchtigte Stasi-Gefängnis in Berlin Hohen-Schönhausen in Untersuchungshaft. Immer wieder wird er verhört, zwischen zwei und zwölf Jahren Freiheitsentzug stehen ihm nach DDR-Gesetz bevor. Die Haft ist zermürbend: "Irgendwann wollte ich nur noch, dass die sich endlich entscheiden, wie lange ich ins Gefängnis muss", sagt Engels.

"Es darf kein Schatten auf den Verband fallen"

Auch seinen Fall übernimmt schließlich DDR-Anwalt Vogel. Engels Verfahren wird eingestellt; er kommt nach drei Monaten frei. Bis nach dem Mauerfall reist er nie wieder länger in den Osten, benutzt höchsten die Transitautobahn. Heute arbeitet er als Pressesprecher für das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport in Brandenburg. Über die Vorwürfe gegen die DJV-Funktionäre sagt er: "Ich kenne manche Biografien von früher und fälle deshalb nicht sofort ein Urteil. Jeder Einzelfall sollte aber begutachtet und aufgeklärt werden. Es darf kein Schatten auf den Verband fallen." Dabei steckt der Verband schon in seiner stärksten Krise der vergangen 20 Jahre.

Engels Position ähnelt der des DJV.

Der Verband versprach im Anschluss an eine Sitzung des Gesamtvorstandes in Kassel in einer Pressemitteilung die Überprüfung aller seiner Funktionsträger: "Die Verantwortlichen auf allen Ebenen im DJV sollten sich an die Stasi-Unterlagenbehörde wenden und Auskunft über möglicherweise vorhandene Akten verlangen. Der DJV-Gesamtvorstand legt Wert darauf, dass alle DJV-Repräsentanten, also auch in Westdeutschland, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der Stasi-Unterlagenbehörde vorweisen können", heißt es in der Mitteilung vom 14. September dieses Jahres.

Tatsächlich wurden auch westdeutsche Journalisten immer wieder von der Stasi kontrolliert: "Das Ministerium für Staatssicherheit hat Journalisten nur ungern im Land geduldet. Es hat damals versucht, die Arbeitsmöglichkeiten der westdeutschen Korrespondenten stark zu begrenzen", sagt Booß. Reisen hätten beim Außenministerium angemeldet werden müssen. Die Gesprächspartner der Journalisten seien teilweise vom Ministerium für Staatssicherheit ausgewählt worden. "Das auf diese Weise verzerrte Bild hat teilweise bei Reisekorrespondenten aus der Bundesrepublik zu einem milden Blick auf die DDR geführt", sagt er.

Ellen Thiemann beginnt nach ihrer Ausreise für den "Kölner Express" zu arbeiten. Nach dem Mauerfall thematisiert sie in ihren Artikeln immer wieder den Umgang der BRD mit DDR-Unrecht. Auch ihr eigenes Schicksal kommt in ihren Artikeln zur Sprache. Den später in Verruf geratenen und angeklagten DDR-Anwalt Wolfgang Vogel nimmt sie in den Texten in Schutz: "Mir hat Vogel geholfen" steht etwa über einem ihrer Texte vom 16. März 1992. 



Zur Erinnerung: Vier Tage vorher war der Anwalt wegen seiner Zusammenarbeit mit einem hochrangigen Offizier des Ministeriums für Staatssicherheit festgenommen worden. Er wird später wegen der Erpressung vor Gericht gestellt: Über 200.000 Fälle von Ausreise willigen DDR-Bürgern gehen vor der Wende über Vogels Schreibtisch. Die Menschen verlieren im Zuge ihrer Flucht Haus und Hof; ihr Eigentum geht teilweise an DDR-Granden. Da die Übertragung von Grundstücken zu Spottpreisen im DDR-Gesetz bei Ausreise aber vorgesehen ist, spricht der Bundesgerichtshof Vogel 1998 von dem Vorwurf der Erpressung frei. 2008 stirbt er.

Thiemann schreibt später ein Buch über ihre Zeit im DDR-Frauengefängnis Hoheneck. Es ist im Herbig-Verlag erschienen und trägt den Titel:
"Stell dich mit den Schergen gut".

von Sebastian Grundke

Quelle: kress.de


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